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Eigentlich sind sie gar nicht so laut, doch sie stören: Kaum hat die Gruppe Brasilianer in der Schinkenstraße mit dem Trommeln angefangen, kommt ein Angestellter aus einem der Biergärten. Auf den Bildschirmen läuft das Spiel Stuttgart gegen Nürnberg, da wollen die Fußballfans keine südamerikanischen Rhythmen. Aber auch ohne die Brasilianer klettert der Wert auf dem Display des Lautstärkemessers auf knapp über 70 Dezibel, wenn der Wert in der Mitte der Bierstraße gemessen wird. Das entspricht in etwa einem fahrenden Auto in zehn Metern Entfernung.
Am Ballermann ist es nicht eben leise geworden, seitdem die balearische Landesregierung vergangene Woche den Lokalen neue Maximalwerte für die Außenbeschallung vorgeschrieben hat (MZ berichtete). Aber die Musik ist nicht schuld, wenn die 65 erlaubten Dezibel überschritten werden (ab 22 Uhr sind es nur noch 60 Dezibel). Wollten die Politiker an der Playa de Palma für mehr Ruhe sorgen, müssten sie den Touristen Schalldämpfer verpassen. Das hat jetzt ein MZ-Test ergeben, der am vergangenen Samstagabend mit einem Messgerät der Firma Audiòfon Balear durchgeführt wurde.
Von Frank Feldmeier
Zum Beispiel Carsten Michel. Der blonde Deutsche hat sich vor seinem Urlaub für 10 Euro ein Mini-Megaphon gekauft. Wenn er seine Kumpels damit animiert, schlägt der Lärmmesser in rund einem Meter Entfernung mit über 100 Dezibel aus. Das entspricht in etwa einem Presslufthammer. Die Musik in den Biergärten ist Carsten zu leise. „Ich war vor zwei Jahren hier, da war das um Welten besser", sagt der Deutsche. „Aber wenn man in einer großen Gruppe kommt, ist es egal." Eintritt in eine Disco zu zahlen, darauf habe er keine Lust - da sorgt er lieber selbst für Stimmung oder geht in den abgeschlossenen Teil des Biergartens, wo keine 65-Dezibel-Grenze gilt. Im allgemeinen Stimmengewirr und Gegröle ist die Musik aus den Lokalen eher ein Hintergrundrauschen: Oft sind nur Rhythmus und Bass zu hören, aber keine Lieder zu identifizieren. „Wenn man hier steht, hat man aber schon gern ein bisschen Unterhaltung", sagt Brunhilde Olszewski aus Dortmund, die mit ihrem Mann ihr Bier unter einem der Lautsprecher trinkt, in einem der Biergärten. „Das hat doch jahrelang keinen gestört." Ihr Mann Hans ist ehemaliger Stahlarbeiter, „da hatte ich auf der Arbeit mehr Krach". Aber die derzeitige Lautstärke am Ballermann sei okay, so das Paar. An ihrem Tisch zeigt der Lärmmesser zwischen 73 und 75 Dezibel an. Illegal ist das nicht. Denn gemessen wird nach der neuen Regelung nicht am Lautsprecher, sondern an der Begrenzung des Lokals. Das sei eine der großen Errungenschaften, sagt Jesús Sánchez, Vorsitzender der Unternehmervereinigung, in der sich die Vergnügungsindustrie an der Playa de Palma zusammengeschlossen hat. Sechs Monate sei verhandelt worden, unter anderem, weil einige Hoteliers quergeschossen hätten. „Aber die sollten nicht glauben, dass die Touristen kommen, weil sie eine schöne rosa Badewanne bieten", sagt Sánchez. Trotz des Zwists überwiege nun die Zufriedenheit. Da die Lautstärke der Musik nicht mehr an der Quelle gemessen werde, könnten die Wirte wieder ein bisschen stärker aufdrehen. Ein paar Dezibel mehr dürfen nicht unterschätzt werden: Das Maß ist logarithmisch - bei mittleren und hohen Pegeln wird ein Unterschied von zehn Dezibel in etwa als doppelt so laut wahrgenommen. Neben der Messentfernung waren nach Ansicht von Sánchez auch „zweifelhafte" Messungen durch die Patrulla Verde ein Problem. So hätten die Ortspolizisten bei einigen Messungen nicht nur den Lärm der Musik, sondern auch der Touristen in der Anzeige vermerkt. Besonderes im Schussfeuer stand bislang der MegaPark der Cursach-Gruppe. An diesem Samstag dringt so gut wie keine Musik nach draußen. Das Fußballspiel ist längst vorbei, doch in der Straßenmitte ist die Musik der Imbissbude der anderen Straßenseite deutlicher zu hören als die vom MegaPark. Am Eingang des Komplexes feiern grölende Touristen den Sieg ihrer Mannschaft: „So sehen Sieger aus, scha-la-la-la-la" - 92 Dezibel im Vorbeigehen. „Sie sollen die jungen Leute feiern lassen", sagt die 69-jährige Marianne David, „wir haben es ja auch gemacht." Mit ihrem Mann sitzt sie im „Deutschen Eck" an der Bierstraße, am Tisch sind es 69 bis 72 Dezibel. Das Paar wohnt seit sechs Jahren an der Playa de Palma, nur eine Straße entfernt. Vor dem Einschreiten der Polizei im vergangenen Jahr sei es allerdings zu laut gewesen. „Man musste sich anschreien oder warten, bis der DJ Pause hat", so die Deutsche. Die jetzige Lautstärke sei okay, auch die der Urlauber: „Wir lieben Mallorca mit allem." Wer genug hat vom Ballermann-Lärm, geht ein paar Meter weiter in Richtung Strandboulevard. Doch auch an der Strandmauer schlägt das Messgerät nervös aus. Kräftiges Meeresrauschen: 68 Dezibel.
Von Frank Feldmeier
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